Es gibt viele Bibelstellen, die mich begeistern – und ebenso viele, bei denen ich erst einmal stolpere. Eine davon hat mich damals ziemlich aus der Bahn geworfen, weil sie so gar nicht zu meinem bisherigen Bild vom Glauben passte.
Jesus sagt: „Dies ist das wichtigste Gebot: Ihr sollt Gott von ganzem Herzen lieben, mit ganzer Hingabe, mit eurem ganzen Verstand und mit all eurer Kraft“ (Markus 12,29–30).
Bis dahin dachte ich: Ich muss Jesus als Herrn annehmen und dann möglichst demütig und gehorsam leben – sozusagen wie ein treuer Diener, der tut, was befohlen wird. Aber dann merkte ich: Gott geht es nicht nur um Gehorsam – er will eine Herzensbeziehung.
Wenn du die Worte Jesu liest, spürst du: Das ist pure Leidenschaft! Er sagt nicht: „Liebe Gott ein bisschen – so wie dein Hobby am Dienstag.“ Er sagt: „Liebe ihn mit ganzer Hingabe, mit deinem ganzen Verstand, mit all deiner Kraft.“ Das ist alles – Herz, Kopf, Körper, Seele.
Gott will nicht nur dein Bekenntnis, sondern dein Herz.
Ich hatte lange nicht verstanden, dass Gott selbst ein emotionaler Gott ist. Er hat uns Gefühle geschenkt, weil er sie selbst hat! Gott kann lieben und zornig sein, sich freuen und trauern, sich freuen über dich – oder enttäuscht sein. Du kennst all diese Gefühle, weil du in seinem Ebenbild geschaffen bist. Wenn Gott keine Emotionen hätte, hättest du auch keine.
Dass du fühlen kannst, macht dich menschlich – und es ist Teil seiner göttlichen Idee. Freude, Mitgefühl, Liebe, Leidenschaft, Großzügigkeit, ja sogar Zorn – all das kann gut sein, wenn es im richtigen Rahmen gelebt wird. Auch negative Gefühle sind nicht „Fehler im System“. Oft zeigen sie dir, was dir wichtig ist, wo du verletzt wurdest oder wo Veränderung nötig ist.
Es gibt zwei Extreme im Umgang mit Gefühlen.
Das erste: „Höre nur auf dein Herz.“ Diese Haltung sagt: Es zählt nur, was du fühlst – nicht, was richtig oder falsch ist. Gefühle übernehmen das Ruder, und du treibst dahin, wohin sie dich führen.
Das zweite Extrem ist das Gegenteil: Gefühle komplett verdrängen. Nur noch rational, kopfgesteuert, ohne Raum für Emotionen.
Beides führt in eine Schieflage – und beides begegnet uns auch in der Kirche. Manche Christen meinen, Gefühle hätten im Glauben nichts zu suchen. Doch das ist falsch.
Ich selbst bin am Anfang meines Glaubenswegs von solchen Menschen geprägt worden. Und es war ein langer Weg zu verstehen, dass Gott mir Gefühl geschenkt hat, damit ich ihn anbeten kann – nicht nur in meinem Kopf. Gott möchte keine kühle Distanz, sondern Nähe. Keine bloße Pflichterfüllung, sondern Beziehung. Keine Kontrolle, sondern Vertrauen.
Er will, dass du ihn liebst – ehrlich, echt, leidenschaftlich. Mit all deiner Hingabe, deinem Denken und Fühlen, deiner ganzen Kraft.
Gott möchte dein Herz – nicht nur deine Zustimmung.
Herausforderung für heute: Frage dich heute bewusst: Wie sieht meine Liebe zu Gott aus – eher Kopfsache oder Herzenssache? Nimm dir 10 Minuten Zeit, um Gott einfach zu sagen, was du für ihn empfindest – ehrlich, ohne fromme Worte.
Sei gesegnet!
„Ohne Leidenschaft ist nichts Großes entstanden – weder in der Kunst noch im Leben“ (Georg Wilhelm Friedrich Hegel).


